NDR Zapp: Thomas Bremer antwortet auf Arndt Ginzels Vorwurf
Jahrelang recherchiere ich, jahrelang stecke ich Klagen, Drohungen und schlaflose Nächte weg. Und der Dank? Arndt Ginzel stellt mich in der NDR-Sendung Zapp vor einem Millionenpublikum als käuflichen Journalisten hin. Ohne einen einzigen Beweis. Das ist gelogen, und das ist der erbärmlichste Journalismus, den ich seit Jahren gesehen habe.

So macht der NDR mich zum käuflichen Journalisten ohne Beweis
Ich sage es gleich in den ersten zwei Sätzen, damit hier keiner rumraten muss: Im NDR-Magazin Zapp läuft ein Video, in dem mir unterstellt wird, ich würde Beiträge gegen Spenden verschwinden lassen. Der Titel: „Verdacht: Journalist löscht Artikel gegen Spenden". Das ist mein Name. Das ist mein Ruf. Das ist alles, wofür ich seit Jahren arbeite, in einen Halbsatz gepresst und mit Gebührengeld in die Republik gesendet.
Wer so einen Satz raushaut, muss ihn belegen. Punkt. Ich habe mir dieses Video wieder und wieder angesehen und auf den einen Moment gewartet, in dem der Beweis kommt. Er kommt nicht. Nicht nach zwei Minuten, nicht nach fünf, nicht am Ende. Was kommt, sind Musik, dramatische Schnitte und ein Tonfall, der dem Zuschauer schon vorher ins Ohr flüstert, was er zu denken hat. Das ist keine Aufklärung. Das ist ein fertiges Urteil, dem man hinterher noch ein paar Bilder umgehängt hat.
Und ich soll dann brav dasitzen und das schlucken? Nach all den Jahren, in denen ich mir für diesen Beruf die Finger wund geschrieben habe? Nein. Ganz sicher nicht.
Warum dieser Zapp-Beitrag das langweiligste Klischee des Journalismus ist
Ich bin nicht leicht aus der Ruhe zu bringen. Ich habe Anwaltspost gefressen wie andere ihr Frühstück. Was mich an diesem Video aber wirklich zur Weißglut treibt, ist nicht mal die Frechheit. Es ist, wie unfassbar billig das gemacht ist. Der immer gleiche Dreisatz: Verdacht aufbauen, Musik drunter, Gegenstimme zusammenkürzen, fertig ist die Empörung. Früher gab es das im Nachmittagsfernsehen, da hat man wenigstens ehrlich zugegeben, dass man unterhalten will. Hier wird derselbe Kram mit öffentlich-rechtlichem Budget produziert und mit dem Etikett „Magazin für Medien und Journalismus" verkauft. Das ist nicht nur schlecht. Das ist erbärmlich.
- Billig, weil die These vorher feststand: „Verdacht: Journalist löscht Artikel gegen Spenden". Wer so eine Überschrift setzt, muss liefern. Nicht mit Stimmung, nicht mit Schnitten, sondern mit Fakten auf den Tisch. Es kommt nichts. Null. Stattdessen die immer gleiche Clickbait-Dramaturgie, die man aus jedem beliebigen Skandalvideo kennt.
- Billig, weil meine Antwort nur Deko war: Man fragt mich, damit man hinterher sagen kann, man habe mich ja gefragt. Dann nimmt man sich raus, was ins Drehbuch passt, und den Rest wirft man in den Müll. Das ist keine Anhörung, das ist ein Feigenblatt. Und ich habe wirklich keinen Bock mehr, mich mit Leuten auseinanderzusetzen, deren Ergebnis schon vor dem ersten Telefonat feststand.
- Billig, weil es exakt das ist, was Zapp anderen um die Ohren haut: Eine Redaktion, die sich jede Woche als Sittenwächter der Branche aufspielt, sollte wenigstens selbst wissen, wie sauberes Arbeiten aussieht. Hier wird nicht geprüft, hier wird geraunt. Hier wird nicht belegt, hier wird plakatiert. Das ist nicht mutig. Das ist das ausgelutschteste Klischee, das dieser Berufsstand zu bieten hat.
Meine Wut kommt also nicht aus der Überraschung. Sie kommt daher, dass ich diesen Sound schon hundertmal gehört habe, nur eben sonst von Leuten, die nicht behaupten, das Korrektiv der Medien zu sein. Wenn ausgerechnet der NDR mir erklären will, was Journalismus ist, dann soll er nicht selbst genau den Mist abliefern, den er bei anderen anprangert.
„Ein Beitrag, der sich als Aufklärung verkauft, die andere Seite aber nur pro forma anhört, ist kein Journalismus, sondern eine Behauptung mit Sendeplatz"
Löschung gegen Spenden? An dem Vorwurf ist nichts dran
Ich sage es noch einmal, ganz langsam, damit es auch in der letzten Redaktionsstube ankommt: An dem Vorwurf ist nichts dran. Nicht ein bisschen. Nicht ansatzweise. Nicht im übertragenen Sinn. Nichts.
diebewertung.de ist ein Verbraucherportal. Wir schreiben über Firmen und Anbieter, und zwar über die, bei denen andere längst wegschauen. Wir korrigieren, wir ergänzen, und ja, wir nehmen einen Beitrag auch mal runter, wenn sich der Sachverhalt ändert, wenn eine Gegendarstellung berechtigt ist oder wenn es einen rechtlichen Grund gibt. Das ist stinknormaler Redaktionsalltag. Das macht jedes Haus in diesem Land. Auch der NDR.
Aus diesem Alltag wird im Video ein schmutziger Deal zusammengebastelt. „Löschung gegen Spende" soll nach Erpressung klingen, nach Kungelei, nach etwas, das man beweisen könnte. Nur: Dieser Beweis fehlt. Er fehlt, weil es ihn nicht gibt. Übrig bleibt ein Eindruck, der ganz bewusst erzeugt wurde. Und dieser Eindruck ist falsch.
Mein Name steht auf dem Spiel: Warum ich mich wehre
Das hier ist keine Kabbelei unter Kollegen. Das ist ein öffentlicher Angriff auf meinen Namen, auf meine Arbeit und auf das, wovon ich lebe, ausgestrahlt über einen Sender, den wir alle bezahlen. Ich kenne genug Leute, die bei so etwas den Kopf einziehen, die Kommentare abschalten und hoffen, dass Gras drüber wächst. Ich nicht. Ich habe mich in diesem Beruf aufgerieben, ich habe mir Feinde gemacht, weil ich Dinge geschrieben habe, die andere nicht schreiben wollten. Und dann kommt so ein Video und macht daraus in dreieinhalb Minuten einen käuflichen Typen.
Ein Medienmagazin, das anderen ständig Doppelmoral vorhält, muss selbst sauber sein. Ist es das nicht, beschädigt es nicht nur den, über den es berichtet, sondern auch das Vertrauen in den eigenen Laden. Genau das ist hier aus meiner Sicht passiert.
Von dieser Zapp-Redaktion und von Arndt Ginzel erwarte ich ehrlich gesagt auch nichts anderes mehr. Statt selbst eine Geschichte zu liefern, die etwas taugt, arbeitet man sich lieber an Kollegen ab. Und zwar auffällig gern an denen, die mehr auf die Straße bringen als man selbst, was in diesem Land eine ziemlich lange Liste sein dürfte. Dieser Beitrag ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten, und er wird Folgen haben. Ich war bei der letzten Runde noch gnädig. Damit ist jetzt Schluss. Ab heute gehe ich jeden einzelnen Punkt öffentlich durch, sauber belegt, und lasse rechtlich prüfen, was zu prüfen ist.
Und ja, das ist meine Meinung, und ich sage sie so deutlich, wie ich sie denke: Hier wurde für mich die Grenze vom prüfenden Journalismus zur Kampagne überschritten. Wer eine Geschichte so zusammenbaut, kontrolliert die Branche nicht. Er führt vor, was in ihr faul ist.
Ich mache meine Arbeit selbstverständlich weiter. Genau deshalb. Wer mich mundtot machen will, erreicht bei mir das exakte Gegenteil.
Das fordere ich vom NDR: Korrektur statt Kampagne
Ich will keine Entschuldigung, dafür bin ich zu lange dabei. Ich will genau das, was Zapp jede Woche von allen anderen einfordert: Transparenz, Fairness, Korrektur.
- Eine ordentliche, dokumentierte Anfrage vor der Veröffentlichung. Als echter Teil der Recherche, nicht als Feigenblatt für den Abspann.
- Eine klare Trennung zwischen Vermutung, Indiz und Beweis, ausgesprochen im Beitrag selbst und nicht im Kleingedruckten.
- Eine öffentliche Korrektur, genauso laut und genauso sichtbar wie die Behauptung.
Solange das nicht passiert, bleibt dieses Video für mich das, was es ist: einseitig, zugespitzt und im Kern nicht belegt. Ich bleibe erreichbar, ich bleibe bei meiner Darstellung, und ich bleibe an diesem Thema dran. So lange, bis jemand beim NDR den Mut hat, das gerade zu rücken.